Naher Osten, wir kommen
8. Februar 2015 von TiDo
0

Straßenbahn, Bus, Auto und Flieger

Klar sind wir hier in Dresden schon irgendwie ein bisschen östlich, aber unser Ziel für die nächsten zwei Wochen liegt noch viiiiiel weiter östlich und wird komischerweise naher Osten genannt.

Vier Etappen, der Entfernung nach aufsteigend geordnet, werden wir bis dort hin in Angriff nehmen. Los ging es kurz vor Mittag mit 20 Minuten Straßenbahnfahren bis zum Hauptbahnhof. Hier stiegen wir in einen blauen Fernbus um, der uns, immer wieder überraschend, komfortabel und deutlich günstiger als die Bahn in knapp 2 Stunden bis zum Hauptbahnhof in Zwickau brachte. Keine zehn Minuten auf dem Vorplatz gestanden, erreichten uns dann zwei ebenso gut aussehende und blendend gelaunte Sachsen … Sabrina und Philipp.

Auf einem Parkplatz am Scarborough Beach im westaustralischen Perth parkte eines Nachmittags ein weißer Minivan neben uns ein. Während Doreen und ich am Tido stehend unseren allabendlichen Topf Nudeln zubereiteten, bauten zwei sächselnde junge Leute eine Klappstuhl- und -tischgarnitur auf, um anschließend an dieser sitzend von eckigen Tellern Fischstäbchen mit Kartoffeln zu essen. Ganz schön dekadent, wie es zunächst schien, aber der Schein sollte trügen. 🙂
Nicht ganz 4 Jahre Freundschaft später sollte der Oman unser erstes gemeinsames Ziel für eine weitere schöne Zeit in der Ferne werden.

Die beiden luden uns in das schon vorher gut beladene Auto, dann ging es für etwas mehr als 3 Stunden auf die Autobahn in Richtung Frankfurt am Main. Das Auto der beiden wurde nun für die Zeit unserer Reise auf einem Park-and-Fly-Areal eingemottet, ein kleines Shuttle brachte uns zum Terminal. Zeitlich gut abgepasst konnten wir dann auch recht bald das Gepäck abgeben und uns die Füße auf einer kleinen Runde an den Geschäften am Flughafen vertreten, bevor es dann zur Sicherheitskontrolle ging. Die verbleibende Stunde bis zum Boarding verbrachten wir mit etwas Fastfood.

Der Flug als vierte und letzte Etappe der Hinreise startete pünktlich und die sechseinhalb Stunden bis zur Landung in Maskat vergingen wie im Flug … liegt ja in der Natur.

Die Sonne lag gerade am Horizont, als wir den A330 von Oman Air über die Treppe aufs Vorfeld verließen. Schon der erste Schritt aus der Tür offenbarte, dass unsere kleine Flucht vor dem kühlen Winter in Deutschland gelungen war. Mollig warm und trocken war die omanische Luft.

Im altern Terminal angekommen verabschiedeten sich mehr als dreiviertel der anderen Passagiere in den Transferbereich, der Rest reihte sich mit uns in die überschaubare Schlange am VISA-Schalter ein und wollte somit ebenfalls im Land bleiben. Der erste kleine Schock des Urlaubs erwartete uns auch genau hier, als uns die äußerst sachliche, in schwarzer Burka gekleidete Mitarbeiterin mitteilte, dass das Visum für 30 Tage pro Paar über 100 Euro koste. Wir hakten dieses Thema schnell, sprich bezahlend ab und begaben uns zur Autovermietung. Philipp und ich stellten uns dort erneut an das Ende einer Schlange. Endlich an der Reihe, kümmerte sich Deja-Vu-artig eine angestrengt lächelnde Dame in schwarzer Burka um uns. Etwa ein Duzent mal beantworteten wir die Frage, ob wir wirklich ausschließlich einen Toyota Landcruiser wollen, mit „ja“ und bekamen diesen letztendlich auch zugesagt. Nach etwas Warten bat uns dann ein komplett weiß gekleideter Europcar-Angestellte mitzukommen. Er führte uns vor das Terminal zu einem Toyota Landcruiser und meinte, es sei nicht unser Mietwagen, aber er würde uns damit zu unserem Mietwagen bringen. Zehn Minuten später erreichten wir einen Platz, an dem die Fahrzeuge scheinbar gewartete und gereinigt werden.
Man bot uns hier erneut ein alternatives, amerikanisches Modell der Marke GMC an, wir erwähnten erneut, dass wir bereits bei der Buchung in Deutschland einen Toyota zugesagt bekommen haben … naja, Ihr wisst ja, warum gerade Tim so auf Toyota besteht. 🙂 Da aber kein Toyota am Platz war, außer natürlich der, in dem wir gerade gekommen waren, bot man uns nun spontan genau diesen an und wir stimmten natürlich zu. Frisch gewaschen und ausgesaugt, was keine 10 Minuten dauerte, nahmen wir dann nun doch einen Landcruiser entgegen. Jetzt hatten wir soweit alles, was wir für unser Tagesgeschäft benötigten … naja gut, außer etwas zu Essen.

Erstmal Abhängen

Um uns etwas auszuruhen und die ersten Dinge auszupacken und sinnvoll im Auto zu verteilen, wollten wir uns eine nettes Plätzchen am Wasser suchen. Ein grobes Ziel in der Navigationshilfe machten wir uns auf den Weg.
Eine Lösung für das Verpflegungsthema ergab sich unterwegs. Ein „Hypermarket“ der Handelskette „LuLu“ lag auf dem Weg und wurde natürlich genutzt. Neben den üblichen Dingen, wie Nudeln und Müsli, lag auch exotischeres, wie süß-scharfer Mangosalat, im Einkaufskorb.
Nach ein paar wenig erfolgreichen Abstechern in kleinere Siedlungen am Wasser, in denen gerade hauptsächlich Ziegen unterwegs waren, fanden wir nahe der Bucht von Mutrah dann endlich auch ein halbwegs angenehmes Fleckchen inklusive ein oder zwei schattenspendender Palmen. Hier bekämpften wir erstmal den Hunger und genossen zum ersten mal richtig die warme arabische Sonne.
Bevor wir uns in Richtung unseres heutigen Hotels auf machten, erklommen wir in unmittelbarer Nähe noch einen kleinen Felsen, auf dem sich einer der in dieser Gegend zahlreichen Befestigungstürme befindet. In der sehr bergig-felsigen Gegend an der Küste rundum Maskat und Mutrah trifft man diese kleinen Türmchen immer wieder.
Von diesem hier hatten wir einen guten Blick auf den Passagierhafen, in dem gerade eine AIDA und eine Costa, letztere völlig aufrecht, am Pier lagen.
Auf dem Weg zum Hotel nutzten wir diverse Hauptverkehrswege und könnten zusammenfassend sagen, dass sich praktisch jede einzelne davon gerade in Bau oder im Ausbau befand. Generell hatte man in vielen Stadtteilen das Gefühl, ein einzige große Baustelle zu befahren. Der Fortschritt zeigte sich also überall, wenn auch nicht immer von seiner vorteilhaftesten Seite.

Ohne nennenswerte Verfahrer erreichten wir das Hotel. Zunächst eine Nacht und vermutlich die letzten beiden Nächte unseres Urlaubs würden wir hier verbringen, alle hofften also auf eine halbwegs gepflegte Behausung. Wir bezogen die beiden nebeneinander liegenden Zimmer in der zweiten Etage und der erste Eindruck war sehr solide.
Erster Akt beim Bezug eines jeden Zimmers sollte hier die Inbetriebnahme der obligatorischen Klimaanlage sein. Danach wurde das Bad auf eine Toilette geprüft, nicht auf Sauberkeit sondern auf Vorhandensein! 🙂 Soweit zufrieden hieß es nun etwas ausruhen, etwa ein Stündchen oder so …

Spät-Nachmittagsausflug

… fast zwei Stunden später waren wir wieder auf den Beinen und bereit für eine kleine Spritztour in die Gegend, also fuhren wir einfach los. Die Straße direkt vor dem Hotel führte in Richtung Küste. Wir folgten zunächst ihr und danach unsere Nase. Der eher zufällige Weg führte zwischen den schroffen Felsen hindurch zum Fischerort Qantab, gelegen an einer schönen Bucht.
Die Fischer hatten so kurz vor Sonnenuntergang schon all ihre Bote aus dem Wasser geholt und genossen nun selbst das letzte Licht des Tages. Wir spazierten entlang des Strandes, vorbei an den abgestellten Booten, und beobachteten Familien beim Abendessen sowie Jugendliche, die sich auf einem Kiesplatz gleich neben dem Strand ausgelassen ein Fußballmatch lieferten. Allgemein waren alle entspannt und freundlich, wie auch anders an diesem ruhigen Fleckchen.
Wir liefen weiter auf einen kleinen Hügel, der auf Uferseite als Klippe ins Meer mündete. Von hier aus hatte man einen schönen Blick auf den Ort unten an der Bucht und die felsige Küste um Maskat. Uns gefiel die zerklüftete Landschaft hier wirklich sehr, immer wieder der Kontrast zwischen den bräunlich-orange schimmernden Felsen, den weißen oder beigefarbenen Gebäuden und dem blauen Meer.

Nachdem die Sonne hinter den scharf-gezacken Kämmen untergegangen war, machten auch wir uns wieder auf den Weg zurück in die Stadt, denn Hunger machte sich breit.

Erstes Abendbrot

Im Zimmer von Sabrina und Philipp gab es zwar eine Küchenzeile, außer einem Kühlschrank allerdings ohne Geräte. Die gekauften Nudeln durften also warten. Erneut begaben wir uns in die Bucht von Matrah. Zu Fuß begaben wir uns auf die Uferpromenade, wo ein sehr reges und geschäftiges Treiben herrschte. Vor allem im Souk, dem örtlichen Markt, wurde man von allen Seiten gebeten, angebotene Stoffe zu berühren, an Parfums zu schnuppern oder Hüte zu probieren. Woanders würde man es wohl als etwas nervig einstufen, hier allerdings gehörte es hin und passte zum Flair. Am ersten Abend begab sich auch noch keiner von uns auf Souveniersuche, stattdessen nahmen wir einfach am Tisch eines der zahllosen, scheinbar identischen Restaurants mit einheimischer Küche Platz.
Einheimische Küche umfasst hier Hühnerfleisch, welches ähnlich zum deutschen Döner als Batzen an einem riesigen Spieß gegart und anschließen auf einen Teller geraspelt wird. Dazu gibt es Salat, Kichererbsenpüree und arabisches Fladenbrot. Völlig unspektakulär und zugegeben auch nur bedingt schmackhaft, zumindest im Lokal unserer heutigen Wahl. Um so besser aber sah es bei den Getränken aus, denn alle Säfte auf der Karte waren frisch gemacht … gepresst wäre hier das falsche Wort. Von Mango und Granatapfel bis hin zu Litschi und Honigmelone, alles war wirklich äußerst lecker.

Entlang der Promenade, an der auch wieder viele Einheimische den Abend mit Kartenspielen oder einfach nur geselligem Beisammensein beendeten, schlenderten wir zurück zum Auto. Nach einer kleinen unfreiwilligen Ehrenrunde parkten wir am Hotel und verabschiedeten uns am Ende dieses langen, aber schönen ersten Tages im Oman in die erholsame Nacht!

keine Kommentare

!?