Schnell nach Lombok
13. August 2015 von TiDo
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Frühausteher

Ab 7 Uhr sollten wir uns bereithalten, da wir für die am Vormittag geplante Überfahrt zur Nachbarinsel Lombok abgeholt werden würden. Wir standen also nicht ganz freiwillig früh auf und nutzten die Gelegenheit für einen kleinen Besuch am Strand. Ein schöner Sonnenaufgang leutete einen ereignisreichen Tag ein.

Bootstransfer nach Lombok

Typisch deutsch fanden wir uns pünktlich 7 Uhr auf dem Sofa der Rezeption ein und warteten auf die Abholung. Das Boot sollte gegen 9 Uhr im etwa 8km entfernten Amed ablegen, wir waren also zuversichtlich. Als eineinhalb Stunden und mehrere Anrufe später immernoch niemand da war, waren auch wir durchaus nervös. Allein der Fakt, dass das Shuttle zur Bootsgesellschaft gehörte und die zu wissen schienen, dass wir noch warteten, beruhigte etwas. Irgendwann jedenfalls kam der Chauffeur und brachte uns zum Sammelpunkt, an dem wir uns zu den anderen Mitfahrern gesellten. So pünktlich wie die Abholung fuhr auch das Boot.
Doreen nahm in der Kabine Platz, während ich einen Platz auf dem Dach des 1000PS Boliden ergattern konnte. Knappe 2 Stunden dauerte der rasante, wellige und deshalb sehr amüsante Transfer. Nach zwei kurzen Stopps an zweien der Gili-Inseln, auf denen wir auf dem Rückweg zu Gast sein werden, erreichten wir die Anlegestelle in Bangsal auf Lombok.

Auf Lombok hatten wir eine geführte Tour zum Vulkan Mt. Rinjani geplant und gebucht. Schon die Bootsfahrt eben gehörte zum organisierten Teil, kein Wunder also, dass schon auf dem Bootssteg ein Fahrer unsere Namen auf einem Schild in die Luft hielt. Er verfrachtete unser Gepäck ins Auto, wo wir nun auch den dritten im Bunde kennenlernen durften. Daniel aus Köln hatte für den gleichen Zeitraum die Wanderung angefragt und würde nun die nächsten vier Tage mit uns verbringen. Auf der eineinhalbstündigen Fahrt ins kleine Örtchen Senaru am Fuße des Rinjanimassivs hatten wir gleich Gelegenheit uns etwas näher kennenzulernen. Doreen und ich waren froh, einen wirklich sympatischen Wanderpartner abbekommen zu haben.

Wasserfälle von Senaru

In Senaru empfing uns Andreas, Chef unserer und eben einer der vielen Expeditionsveranstalter vor Ort, und zeigte uns kurz die Unterkunft für die kommende Nacht. Die eigentliche Wanderung sollte erst morgen beginnen, weshalb er anbot, uns für den Nachmittag zu nahegelegenen Wasserfällen führen zu lassen. Natürlich wollten wir alles sehen und sagten zu. Andreas kleiner Bruder führte uns auf dem kleinen Spaziergang, zum warm werden sozusagen. Während die ersten Fälle hübsch anzusehen waren, wollten vor allem die Herren endlich auch ins erfrischende Nass springen. Wir setzten also den Dschungeltrip fort, denn am zweiten Wasserfall wäre Baden möglich. So war es auch und es war nicht nur erfrischend, sondern ein wirklich tolles Erlebnis.

Auf dem Rückweg konnten wir dann noch einen Blick zu unserem großen Ziel der nächsten Tage werfen. Sah gar nicht sooo weit aus.

Traditionelles Abendbrot

Traditionell waren wir heute, wie wohl alle Gäste des Unternehmens, zu einem typischen Abendessen bei Großmutter Zuhause eingeladen. Andreas holte uns ab und brachte uns zum typisch indonesischen, unterstandartigen Esstisch vor Omas Haus. Nach einer kurzen und schüchternen Ansprache servierte er Reis, Curry, Tempe (Sojakekse) und Omlett. Es war genau das richtige für unseren Hunger und dazu noch lecker. Während des Essens wurde Stück für Stück erklärt, was in den kommenden 3 Tagen auf uns wartet. Erwartungsvoll gingen wir anschließend früh ins Bett, um so viel Kraft wie möglich zu tanken … wir würden sie brauchen!

Zur Ausgangsposition
14. August 2015 von TiDo
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Die erste Stärkung

Es war soweit, heute sollte also nun unser Ausflug auf den Vulkan beginnen. Das bedeutete natürlich neben frischer Luft und hoffentlich guten Aussichten auch jede Menge Bewegung. Wir waren ganz gut vorbereitet, denken wir, aber ein gutes Frühstück durfte dennoch nicht fehlen. Am Voraben bestellt gab es Banana-Pancakes mit Nutella, Obst sowie Kaffee oder Tee. Die Stimmung beim Essen war außerordentlich gut und auch das Wetter schien mitzuspielen.

Ameisenstraße

Etwa eine Stunde Fahrt brachten uns zunächst zur Anmeldung des staatlichen Nationalparks, den wir für diese Wanderung betreten würden. Bereits vor dem kleinen Gebäude deutete sich an, dass wir nicht einsam auf den Pfaden vor uns her träumen werden. Mehrere Schlangen führten zu großen Büchern auf einem Tisch, in denen sich mit Reisepassnummer und anderen Daten zur Identifikation eingetragen wurde. Aus irgendeinem Grund durften wir ohne anstehen zu müssen direkt bis zum Buch durchtreten.
Ein paar Kilometer zurück auf der Straße, die wir gekommen waren, versammelte sich nun neben vielen anderen auch unsere kleine Karavane, bestehend aus Alan, unserem Führer, vier Trägern, den sogenannten Portern, und uns Dreien. Alle waren bereit, also ging es gegen 9:20 Uhr los …

Der Himmel war noch fast wolkenlos, die Sonne knallte uns auf die Köpfe. Der Weg war noch nicht wirklich steil oder schwierig zu laufen, eigentlich gut, um reinzukommen. Die Hitze jedoch reichte, um die ersten Stunden keinen Spaziergang werden zu lassen. Nach einer weile kam auch noch eine allgegenwärtige Staubwolke hinzu, die durch die Wanderer auf dem sehr trockenen Weg stetig gefüttert wurde. Meckern auf hohem Niveau?!?
Wir liefen alle unser eigenes Tempo, überholten und wurden überholt. Als wir kurz vor 12 Uhr eine Brücke erreichten, auf der jede Menge Gleichgesinnte auf Decken Platz genommen hatten, bestätigte ein anderer, gerade vorbeikommender Gruppenführer, dass hier Mittagessen ist. Wir warteten also auf Alan, um dann hinter der nächsten Anhöhe, wo noch viel mehr Menschen gerade pausierten, unser Mittagslager aufschlagen … zu lassen.

Frisch, frischer, …

Ein Teil unserer Porter waren schon da und breiteten uns die Gästedecke aus. Die anderen kamen kurz darauf dazu Für sie begann nun der Küchendienst, direkt nach dem bisherigen Aufstieg mit ca. 30 bis 40 kg Gepäck, welches in großen Körben an jeweils beiden Enden einer Bambusstange hang.
Alan kam nun auf uns zu und fragte, ob wir denn gern Saft hätten. Wir nickten und er fragte jeweils nach der Sorte. Ahnungslos, was genau das nun bedeuten würde, entschieden wir drei verschiedene Sorten … Apfel, Banane und Melone. Alan antwortete, wie praktisch auf alles, „okay“ oder „yes„. Wir beobachteten so nebenbei, was er und die Porter so taten, trauten aber unseren Augen nicht, als zunächst eine kleine Autobatterie, danach ein 220V-Wandler und zu guter letzt tatsächlich ein Standmixer aus einem der Körbe geholt worden. Wir können nicht leugnen, dass es uns irgendwie unangenehm war, Leute soetwas für uns den Berg hinauf schleppen zu lassen. Als dann auch noch, wie bestellt, drei verschiedene Arten von frischem Obst geschält, geschnitten, gemixt und in Gläser mit Strohhalm gefüllt wurden, war uns dieser „Anflug“ von Dekadenz sichtlich peinlich.
Lecker war es jedenfalls, genau wie die frische und reichliche Gemüsesuppe mit Hühnchen und Reisnudeln, zu der es Reis sowie diverses Obst gab.

Nun kommt der schwierigere Teil …

… so die Aussage von Alan zum weiteren Verlauf der heutigen Etappe. Das glaubten wir gern, schließlich war der Weg beim Blick in den Hang durch die vielen bunten Farbflecken der sich langsam bewegenden Jacken und Rücksäcke gut nachzuvollziehen. Aber auch diese Kette endete in den mittlerweile aufgezogenen Wolken, deren Schatten uns mehr als gelegen kam. Schon kurz nach dem Mittagsplatz wurde es steiler und steiler, vom nach wie vor trockenen Pfad ging man unfreiwillig immer in der aufgewirbelten Wolke des vor einem Laufenden. Eine ganze Weile liefen Doreen, Daniel, Alan und ich noch zusammen. Später aber zog sich die Gruppe immer weiter auseinander, bis Doreen und ich die beiden anderen nicht mehr erkennen konnten. Wir hielten unseren Rhythmus und quälten uns in unserem stetigen Tempo durch den Dreck den Hang hinauf, bis endlich der erlösende Rand des großen alten Kraters erreicht war.

Leben am Rand

Die Wolken unter uns gelassen, legten wir kurz vor 16 Uhr erstmal unser vergleichsweise kleines Gepäck ab und genossen die verdiente, tolle Stimmung. Immer wieder waren Neuankömmlinge zu hören, die Freudenschreie in die Menge warfen. Alle Anwesenden drehten sich darauf kurz um, mit dem Daumen nach oben. Wer näher dran stand, hält auch schon mal eine Hand zum „High-Five“ hin.
Als Daniel gegen halb fünf über den Kamm stapfte, empfingen wir ihn gebührend. Ich denke, wir alle haben es bis hierher etwas weniger anstrengend erwartet und waren nun sehr zufrieden erstmal hier angekommen zu sein. Weiter ging das Entspannen bis um etwa 17 Uhr auch Alan zu uns stieß. Er war auch sichtlich geschafft und führte uns nun, mit den Portern über einen geeigneten Platz für das Camp beratend, durch das Dorf aus schon aufgebauten Zelten. Es war schon recht voll, aber die Porter fanden einen Platz und platzierten die Zelte gekonnt ins Viertel.

Hier geht sie unter

Es ist kurz nach 18 Uhr, das Abendessen brodelt im Kessel und wir unterhalten uns mit unseren holländischen und österreichischen Nachbarn, als die Sonne, langsam aber sicher, den gegenüberliegenden Kraterrand berührt. Der Blick ist einmalig, sogar der Vulkan Agung auf Bali ist in der Ferne klar zu erkennen. Die Laune unter den Wanderern war nach wie vor sehr gut.

Nach dem Schauspiel meldete sich Alan und bat zu Tisch. Obwohl wir keinen allzu großen Hunger verspürten, wusste wir, wie schon heute morgen zum Frühstück, dass wir alles brauchen werden, was zu bekommen ist. Bei Reis mit vielerlei Hühnchen und Gemüse erklärte Alan mit Hand, Fuß und sehr gebrochenem English nun noch kurz den Plan für den Aufstieg … den wir natürlich schon kannten. Direkt nach dem Essen, also sehr früh, ging es ins Bett, denn die Nacht sollte nicht nur unruhig, sondern auch kurz werden.

High..lights
15. August 2015 von TiDo
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Auf dunklen Pfaden

Es war eine ruhelose Nacht. Der Wind peitschte ununterbrochen von einer Seite gegen das Zelt, was für eine halbe Stunde auch irgendwie romatisch war, danach aber doch zu nerven beginnt. Es ist eben was anderes, als in einem festen soliden Auto zu schlafen. Wahrscheinlich sind wir sogar ein paar mal wirklich weggenickt, aber insgesamt würde ich nicht behaupten wollen, geschlafen zu haben.
Irgendwann wurde es auch draußen unruhig, man hörte leißes Tuscheln, Leute die herumliefen und das übliche Geräusch, wenn man die Oberflächen von Funktionskleidung aneinander reibt. Wir dachten zwischenzeitlich schon, man hätte vergessen uns zu aus dem Zelt zu holen, da offenbar die ersten schon aufbrachen. Wir schätzen, dass Alan etwa zwei Stunden danach bei Daniel ans Zelt klopfte. Unser Wecker hatte schon ein paar Minuten vorher geklingelt und wir zogen uns bereits an. Es war gerade kurz nach 2:00 Uhr … natürlich Nachts.
Unsere zwischenzeitliche Befürchtung, verschlafen zu haben, war also unbegründet. Als wir aus dem Zelt stiegen, bestätigte sich aber unsere Vermutung, dass erste Gruppen bereits gegen Mitternacht losgelaufen sein müssen. Ein Blick in Richtung Berg zeigte eine Kette an leuchtenden Stirnlampen im stockdunklen Himmel. Sie zog sich entlang des zu erahnenden Kamms fast bis zur Hälfte des Weges hinauf. Nun gut, wir verließen uns auf die Einschätzung unbekannter Quelle, dass der Aufstieg bei normalem Tempo etwa zweieinhalb Stunden dauern würde.

Nach einem kurzen Frühstück mit Tee, Kaffee und Keksen ging es los, Alan erstmal voraus. Bereits gestern glaubte man zu erkennen, eines der steilsten und damit schwersten Abschnitte wäre der Anfang gleich hinter dem Camp. Dies schien sich zu bestätigen. In der Rushhour ging es bei starker Steigung durch feinsten losen Untergrund. Überall hörte man Wanderer aufs übelste husten und spucken. Wir hatten alle mit der Luft zu kämpfen, aber besonders Daniel schien unter den schlechten Atembedingungen zu leiden und viel langsam zurück. Er war in der Masse bald nicht mehr zu erkennen, wobei man hier die Leute nur an der Art der jeweiligen Stirnlampe unterscheiden konnte. Wir riefen hin und wieder seinen Namen und bekamen anfangs auch meist eine Antwort. Im Glauben, das schlimmste hinter uns zu haben, erreichten wir mit Alan den eigentlichen Kamm. Da wir soweit keine wirklichen Probleme hatten, rieten wir ihm, auf Daniel zu warten. Wir ließen Alan also hinter uns und begannen nun den gemütlichen Teil des Aufstiegs … zunächst.
Die Reihen hatten sich etwas gelichtet, sodass man relative Ruhe hatte, der Weg war gut zu laufen. Allerdings wehte ununterbrochen ein sehr starker Wind von links Staub und Dreck über die Kuppe, während es rechts steil in den Krater hinunterzugehen schien. Zumindest zeigte sich beim gelegentlichen Leuchten über den Rand keinen Hang oder gar Boden … sehr beruhigend bei Sturm von der anderen Seite. Der Weg zog und zog sich, immer öfter passierten wir vereinzelte Menschen oder kleinere Gruppen, die sich, teilweise am Boden liegend, hinter Steinen oder kleinen Felsvorsprüngen vor dem immer stärker werdenden Wind und der damit verbundenen Kälte zu schützen versuchten. Wir waren aber soweit ganz gut angezogen und die Bewegung tat ihr übriges.
Es war in der Dunkelheit nicht zu erkennen, wie weit es noch ist, die Entfernung der Lampen voraus kaum einzuschätzen. Ein paar mal meinte ich noch zu Doreen, es könne nicht mehr sooo weit sein, was vielleicht gar nicht so falsch war. Leider nur hat die Entfernung mit dem Terrain und dem damit verbundenen zeitlichen Aufwand nichts zu tun. Es wurde wieder steiler und immer steiler. Und als ob das, der Sturm und die staubige Luft nicht schon genug wären, begann nun auch der Untergrund verhindern zu wollen, dass wir unser Ziel erreichen. Was gerade noch festes Gestein war, wandelte sich nun mit jedem weiteren Meter zu losem Schotter. Mit jedem schweren Schritt schob man eine kleine Lawine der Weg hinab in Richtung des nachfolgendem Wanderes. Es fühlte sich an, wie auf einer Rolltreppe, die nach unter fährt. Zwei gegangene Meter brachten einen selbst nur einen Meter nach vorn. Ein paar Tschechen versuchten es auf allen Vieren, kamen aber auch nicht schneller voran. Es begann sich sehr großer Frust breit zu machen, denn man war inzwischen absolut kaputt, kam nicht voran, hatte kein Gefühl von Zeit, keine Ahnung, wie weit es noch ist. Es wäre gelogen, würde man sagen, dass einem nicht hin und wieder ein „Warum“ oder gar „Umkehren“ in den Sinn kam. Aber ein zurück kam natürlich nicht in Frage und so quälte man sich langsam voran. Keine Hektik, aber eine Art zusätzliche Motivation war der nun langsam glimmende Horizont, der mittlerweile deutlich zu erkennen war. Wir wollten natürlich ganz oben sein, wenn der Tag beginnt und so hieß es möglichst zügig vorankommen. Man setzte sich ein Ziel von 10 Schritten, dann kurze Pause, dann wieder 10 Schritte und so weiter. Nicht denken, einfach nur gehen. Ich muss gestehen, dass es im Kopf eine der größten Herausforderungen war, an die ich mich erinnern kann.
Keine Ahnung, wie lange wir genau an dem Höllenabschnitt des Hangs unterwegs waren, aber als ein Franzose, windgeschützt hinter einem Felsen stehend, sagte: „Just 5 more minutes, you are almost there!“, war das ein unheimlich erlösendes Gefühl. Kurz darauf standen Doreen und ich nun endlich an einem Punkt, von dem aus es an diesem Flecken Erde nicht mehr höher ging. Wir hatten es geschafft!
Wir nahmen uns in den Arm und schauten uns dann nach einem Plätzchen für den bevorstehenden Sonnenaufgang um. Nach dem wir beim Aufstieg sicher viele Dutzend schutzsuchende Leute überholt hatten, waren von der laaangen Lampenkette, die wir noch vom Camp aus gesehen hatten, nur noch knapp 20 übrig geblieben. Wir setzten uns also und merkten recht schnell, dass es ohne die Bewegung sofort kühl wurde. Mit allen anderen hier oben warteten wir zitternd und sehnlichst auf das bald kommende, warme Sonnenlicht. Trotz der Kälte kann ich das Befinden nur so beschreiben … überwältigend.

Auch Daniel erreichte zu eigener und auch zu unserer Freude gerade noch rechtzeitig den Gipfel und konnte sich zum Sonnenaufgang zu uns gesellen. Wir genossen diesen für uns alle denkwürdigen Moment und reihten uns dann in die kleine Schlange zum obligatorischen Gipfelfoto ein. Derjenige, der gerade fotografierte, ist diesen Job nur schwer wieder losgeworden, den jeder weitere drückte ihm einfach nett lächelnd eine weitere Kamera in die Hand und stellte sich in Position. Prakitsches Utensil hier war das Schild, welches auch jedem, der später das Foto betrachten würde, sagt, wo wir waren … dem Puncak Mt. Rinjani 3726m … dem Gipfel des Mount Rinjani auf 3726 Meter Höhe.

Falls sich jemand fragen sollte, was diese spitze Ding im Hintergrund ist, möchten wir das natürlich kurz erläutern: Das ist der Schatten des Berges, auf dem wir gerade stehen.

Die Kür … der Abstieg zum Camp

Etwa eine Stunde verbrachten wir am Gipfel und das gucken wurde dabei nie langweilig. Das Licht änderte sich ständig und die Wolken zogen langsam weiter, gaben den Blick auf neue Sachen frei, während andere unter ihnen verschwanden. Darüberhinaus war es nun so warm, dass man auch im Sitzen nicht mehr fror.
Nichtsdestotrotz war die Zeit gekommen, den Rückweg zum Camp anzutreten. Laut Tourplan wartete auch nach dem Frühstück, das im Lager auf uns warten sollte, noch einiges an Weg vor uns. Wir machten also noch ein letztes Mal die Runde auf der Spitze des zweithöchsten aktiven Vulkans Indonesiens und begannen den Abstieg.
Der ging natürlich schon vom ersten Schritt an deutlich einfacher vom Fuß, als der Aufstieg in der Nacht. Die imaginäre Rolltreppe fuhr immer noch bergab, jeder große Schritt landete weich im vorher noch so verfluchten und gehassten Schotter, durch den sich nach wie vor viele Menschen nach oben quälten. Wir drei waren uns einig, das die Dunkelheit es eher einfacher gemacht hatte, da es mittlerweile richtig warm geworden war und man das Elend, welches noch vor einem lag auch ständig klar vor Augen hatte. Unverändert war aber der Wind und der Staub, den er mit sich brachte.
Auch Alan hatte sich inzwischen wieder eingereiht und folgte uns als letzter Mann nach unten. Obwohl wir recht oft stoppten, um die einfach nicht uninteressanter werden wollende Aussicht zu genießen, kamen wir gut voran. Gegen 9:00 Uhr nahmen wir zufrieden auf der Decke vor unseren Zelten platz. Seit dem Aufbruch hier waren knapp 7 Stunden vergangen, dreieinhalb brauchten wir bis hoch, zweieinhalb wieder zurück.

Nun aber gab es erst einmal ein richtiges Frühstück mit frittierten Bananen, Pancakes, Nutella und gemixtem Obst. Wir waren sehr zufrieden, aber schon ein wenig erschöpft.

Zum See und dann zum anderen Kraterrand

Obwohl der Plan eigentlich feststand, denn wir wussten natürlich, was wir gebucht hatten, stand nach dem Frühstück aus irgendeinem Grund von Seitens Alan die Frage im Raum, wie es heute nun weitergehen soll. Problematik hier war, wie sich am Vortag schon angedeutet hatte, dass unser Führer leider kaum bis gar nicht Englisch sprach oder verstand und darüberhinaus auch nicht die Aufgabe eines Führers erfüllte, nämlich zu leiten und zu informieren. Egal was man fragte oder sagte, alles wurde nett lächelnd weggenickt.
Wir versuchten ihm zu erklären, dass der Plan für den heutigen Tag vorsah, nach der Rückkehr vom Gipfel hinunter in den Krater zum See zu gehen und heiße Quellen zu besuchen. Er nickte wie immer und so stiegen wir ab in den Krater.
Das entpuppte sich als schwieriger, als zunächst vermutet, vor allem mit den Höhenmetern, die wir schon in den Beinen hatten. Dennoch kamen wir gut voran und erreichten gegen 13:00 Uhr das Ufer des Sees. Zur selben Zeit trudelten auch die Porter ein und suchten eine nette Stelle für das Mittagessen.
Unsere ursprünglichen Pläne, im See zu baden, verwarfen wir trotz der Mittagshitze recht schnell, denn auch hier zeigte sich eines der größten Probleme des Landes … der Müll. Überall, wo sich regelmäßig Menschen versammelten, wie z.B. an der Camping- oder den Pausenplätzen dieser Wanderung sammelte sich alles, was keine mehr brauchte. Vor allem Verpackungsmaterial und Getränkedosen lagen dort immer und überall in rauen Mengen herum. Während der erste Blick aufs Wasser noch zur Erfrischung einlud, offenbarte aber schon der zweite diverse äußerst scharfkantige Dinge, wie Dosenböden, auf dem Grund. Sehr sehr schade … wie das Land diese natürlich Attraktion ausbeutet, ohne für deren fortbestehen zu sorgen. Fraglich, ob man in 20 Jahren diese Wanderung so noch machen kann, ohne ununterbrochen in Abfällen zu stapfen!?
Wir ruhten uns also an Land etwas aus, bis wenig später Mittagessen serviert wurde.

Satt gegessen setzten wir die Pause noch etwas fort, während ein Teil der Porter schon aufzubrechen schien. Nach einer Weile Mittagsruhe wunderten wir uns allerdings, dass es von Seiten Alans keine Ansage zur weiteren zeitlichen Planung gab, da das Tagesprogramm ja noch nicht abgearbeitet war. Wir sprachen ihn also an und meinten, wir wäre soweit, aufzubrechen. Er lächelte nett und nickte, kurz darauf liefen wir los. Knappe 50m weiter dann der Schock: Die Porter, von denen wir dachten, sie wären weitergelaufen, hatten hier schon alle Zelte aufgebaut. Wir fragten Alan, was das soll, er aber verstand nicht recht und brachte zum Ausdruck, dass wir die Nacht doch am See bleiben wollten ..?!??! Zugegeben, an diesem Punkt war das Ende meiner Geduld und meines Verständnisses erreicht. Entgegen der ländlichen Gepflogenheiten wurde ich dann inhaltlich sowie tonal deutlicher und versuchte Alan zu erklären, was gerade gehörig schief zu gehen begann, schließlich hatten wir eine Tour und damit auch ein gewisses Programm gebucht und bezahlt, welches nun aber zu scheitern drohte. Aufgrund der leider bekannten Sprachbarriere kam aber nur das tonale bei ihm an und er war sichtlich eingeschüchtert. Ein Träger oder Führer einer anderen Gruppe gesellte sich dazu und versuchte zu vermitteln und vor allem zu übersetzen. Doreen sowie Daniel waren dabei meiner Meinung und am ende geschlossen vermittelten wir, gern beim ursprünglichen, gebuchten Plan bleiben zu wollen. Für die wirklich sehr hart arbeitenden Porter tat uns das natürlich leid, da sie nun das Camp wieder zusammenpacken mussten, um es am Abend auf dem gegenüberliegenden Kraterrand erneut aufzubauen.
Die heißen Quellen und der Weg hinauf, zum von vornherein geplanten Camp, standen nun noch an, wobei Alan uns nun vermittelte, dass für die heißen Quellen keine Zeit mehr sei, da der Aufstieg wohl knappe 4 Stunden dauern würde. Wir drei Gäste waren darüber sehr enttäuscht, da wir ja gerade über eine Stunde herumgesessen haben, die man natürlich problemlos auch zum entspannten warmen Baden in diesen Quellen hätte nutzen können. Als wir kurz darauf herausfanden, die natürlich Badewanne wäre keine 10 Minuten zu Fuß vom Mittagslager, wurde aus der Enttäuschung schon ein bisschen Wut.

Mit dieser Wut im Bauch traten wir also den letzten Gang für heute an. Doreen und ich setzten uns recht schnell wieder vom Rest der Gruppe ab und machten uns somit nicht nur räumlich, sondern dann alleine auch mental etwas Luft und versuchten wieder, die tolle Umgebung zu genießen.
Nicht etwa 4, sondern keine 2 Stunden später gegen 16:45 Uhr war der Kraterrand erklommen, das Bad wäre also mehr als im zeitlichen Rahmen gewesen … erneut schade!

Ein leicht versöhnlicher Abend

Daniel hatte den Aufstieg mit Alan genutzt, um zu versuchen, ein bisschen mit ihm zu reden, ihm noch mal in Ruhe zu erklären, wie wir die Situation erlebt hatten bzw. wie es aus unserer Sicht zu dieser Situation gekommen war. Als die Beiden und die Porter dann ebenfalls oben ankamen, entschuldigte sich Alan für alles … ob er verstanden hat, wofür, werden wir wohl nie erfahren.

Wie auch immer, es gab ein leckeres Abendessen. Gebratener Reis mit Gemüse und Hühnchen wurde direkt ins Zelt serviert. Nach 14 Stunden zu Fuß zog es uns drei bei dem auffrischenden Wind recht schnell in die warmen Schlafsäcke. Zur Feier des letzten Abends genehmigte ich mir auch ein bisschen Bram, den indonesischen Reiswein.
Es war ein Tag der Höhen und Tiefen, im wortwörtlichen und gleichzeitig auch übertragenen Sinne. So oder so ein Tag den wir alle nicht so schnell vergessen werden.

Restarbeit, dann Insel
16. August 2015 von TiDo
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Runter nach Senaru

Doreen schlief wie ein Stein, bei mir aber klappte das nicht so gut, ob wohl auch ich am Vorabend sehr müde zu Bett gegangen war. Schuld war der Wind, der ein seltsames Verhalten an den Tag bzw. in die Nacht gelegt hatte. Prinzipiell war es windstill, aber so alle 30 Minuten kündigte ein rauschen in den Bäumen den nächsten Schub an. Dieser war heftig und dauerte etwa 10 Minuten an. Dabei drückte es mit die leichte Kuppel des Zeltes bis ins Gesicht. Also selbst wenn ich geschlafen hätte, wäre ich wach geworden. Dazu kam die Temperaturunterschiede, denn ohne Wind war es recht warm, während den Böen aber eher frisch. Somit war ich unterunterbrochen damit beschäftig, meinen Schlafsack zu öffnen und zu schließen.

Gegen 6:30 Uhr kam jedenfalls das ersehnte Wecken und nach dem Frühstück, pünktlich 7:00 Uhr, starteten wir den Abstieg. Recht schnell ließen wir die weiten Wiesen des oberen Hanges hinter uns und verschwanden im zum Glück schattigen Dschungel. Inklusive einer Mittagspause, wie immer an einem Platz zwischen vielen anderen Wandergruppen, brauchten wir bis zum offiziellen Tor und für uns Ausgang des Nationalparks etwa fünfeinhalb Stunden.

Auch wenn es heute der kürzeste Tag der Wanderung war, war es wegen der beiden Vortage trotz Abstieg nicht weniger anstrengend. Zufrieden also platzierten wir uns mit den Alan und den so fleißigen Portern für das finale Foto.

Von hier waren es nur noch ein oder zwei Kilometer zu Fuß bis zum oberen Ende einer Straße. Dort warteten wir kurz auf Abholung. Zunächst ging es noch einmal zum Haus von Andreas, wo unsere restlichen Sachen verblieben waren. Dort nutzten Daniel und ich eine ruhige Minute um mit Andreas über die organisatorischen Probleme zu sprechen. Nach einem sehr einvernehmlichen Gespräch, entschuldigte sich Andreas mehrmals für die Unannehmlichkeiten, bot uns eine Rückerstattung an und bedankte sich ehrlich für die offene Rückmeldung.

Jetzt wieder Urlaub

Nach dem Abschied von allen, vor allem aber noch einmal von den Trägern, brachte uns ein Fahrer zur Anlegestelle nach Bangsal. Er besorgte uns dreien auch gleich die Tickets für die kurze Überfahrt auf die größte der in Sichtweite liegenden Gili-Inseln. Ein Kahn wartete schon am Strand, wir konnten also sofort einsteigen und keine 10 Minuten später ging es auch schon auf die etwa halbstündige Fahrt nach …

Da Daniel die nächsten Nächte rein zufällig auf der gleichen Insel gebucht hatte, gingen wir gemeinsam von Board und verabredeten uns auch gleich für den Abend morgen, denn da gab es etwas zu feiern.
Doreen und ich suchten uns nun eines der hier üblichen Fortbewegungsmittel und ließen uns zur Unterkünft bringen.

Für die kommenden 3 Nächte hatte uns Doreen eine kleine Bungalowanlage in Mitten der Insel herausgesucht. Falls nun jemand fragt, warum nicht irgendwo on Strandnähe!? Nun, erstens ist hier auch die Mitte der Insel nicht weit weg vom Meer, und zweitens ist es außenherum eher belebter. Letzteres ist kein Problem, wenn man die Wahl hat. Muss man aber auch dort schlafen, wo man selbst und auch alle anderen den Tag und eben auch den Abend verbringen, wird einem die Wahl zwischen Ruhe oder Party genommen.

Wie auch immer, Doreen hatte ein sehr glückliches Händchen, denn hier war es wirklich außerst hübsch und gemütlich, auch die Angestellten sehr zuvorkommend und der englischen Sprache in den wichtigen Phrasen mächtig.
Wir bezogen unser kleines Häuschen und beschäftigten uns nach drei Tagen ohne Duschen, Zähneputzen und anderen, normalerweise alltäglichen Dingen mehrere Stunden im Bad. Nach einem kleinen Nachmittagsschläfchen beschlossen wir, heute nicht mehr ins Inselleben abzutauchen und nahmen im kleinen aber feinen Retaurant auf der anderen Seite des Pools Platz. Leckeres Essen und zwei noch bessere Cocktails leuteten die beiden kommenden Tage hier auf Gili Travangan ein.