Volle Kraft Nord-Nordwest
19. August 2016 von TiDo
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Abholung der Unterkunft

Erster Tag Urlaub seit Anfang April und der Wecker klingelte dennoch schon 6:30 Uhr. Klingt seltsam, war aber notwendig, da für den Vormittag die Übernahme und später die Beladung unseres am Ende hoffentlich treuen Begleiters anstand.
Die Bahn brachte mich, natürlich mit Verspätung, nach Königsbrück bei Dresden, wo Herr Ettelt von CampVenture geduldig auf mich wartete. Nach einer kurzen Fahrt bis zum Hof des Unternehmens folgte auch gleich ganz kompakt die Einweisung in den „VW T6 California Coast“, unser Transport und unsere Unterkunft für voraussichtlich 3 Wochen Norwegen. Als danach auch Papierkram und das Finanzielle erledigt war, wünschte Herr Ettelt eine gute Reise und verabschiedete mich bzw. uns mit Übergabe des Schlüssels in den Urlaub.

Zurück an der Wohnung, wo Doreen schon gespannt und vorfreudig wartete, machten wir uns auch gleich an die Beladung des Campers. Die Kisten, vorwiegend mit Lebensmitteln, Klamotten und Technik befüllt, hatten wir bereits während der letzten Tage und Wochen vorbereitet, blockierten fast einen ganzen Fahrstuhl, und waren dank guter Planung recht schnell im Auto verstaut. Pünktlich um 12:00 Uhr Mittags waren wir startklar, nun konnte es endlich losgehen!

Kilometerarbeit

Wir machten uns also auf den Weg, auf die Autobahn, um ganz genau zu sein. Die haben wir dann für knappe 800km auch nicht mehr verlassen. Der California machte dabei eine wirkliche gute Figur und so kamen wir gegen 21:00 Uhr im dänischen Aarhus an. Nicht zum ersten mal da, hatte ich, Tim, auch schon einen geeigneten Platz für die Nacht im Hinterkopf. Den steuerten wir direkt an und nach einem kurzen Spaziergang am steinwurfentfernten Ostseestrand gab es dann ein spätes Abendessen.
Morgen wird eine Fähre vermutlich nicht auf uns warten, um also pünktlich am Anleger zu erscheinen, stellten wir den Wecker erneut auf eine wenig urlaubsfreundliche Zeit und legten uns unter das californische Dach.

Bis zum, über und durch das Wasser bis zur Sonne
20. August 2016 von TiDo
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Fixe Fähre

Wie schon erwähnt, frühstückten wir recht zeitig um wieder schnell unterwegs zu sein. Zwar war die Fahrzeit für die restlichen knapp 180km üppig kalkuliert, aber man weiß ja nie.
Etwa 9:00 Uhr trafen wir am Fjordline Fährterminal ein und parkten bei den vielen anderen zu früh gekommenen. Eine Stunde später durfte man dann richtig einchecken und wurde auf dem großen Warteplatz positioniert, danach hieß es weiter warten und Leute beobachten, derer selt- und unterhaltsame Vertreter es hier reichlich gab. So verging die Zeit doch recht schnell bis unser Schiff eintraf.

Als der Katamaran erst einmal fest verzurrt war, ging alles recht schnell. Noch während die letzten Ankömmlinge von Board fuhren, wurde schon mit der neuen Beladung begonnen. Etwa eine halbe Stunde dauerte die Prozedur bis alle Fahrzeuge im Bauch des schnittigen Bootes verstaut waren. Das Finden eines Sitzplatzes allerdings sollte bei einigen Leuten die ganze Fahrt benötigen.

Wir jedenfalls hatten recht schnell Plätze gefunden, wobei ich die zweieinhalb Stunden eher hinten auf dem Außendeck verbrachte, um Doreen bei ihrer stündlichen Dreiviertelstunde Schlaf nicht zu stören.
Schon beim Ablegen in Dänemark war vom sommerlichen Wetter des Vortages nicht mehr viel übrig geblieben und die Überfahrt machte es noch unangenehmer. Pünktlich mit der Ankunft in Kristiansand setzte dann auch starker Niederschlag ein, perfekte Begrüßung also im Sommerurlaubsland.

Regenfahrt

Bei strömendem Regen fuhren Doreen und ich nun vom Schiff und suchten keine zweimal abbiegen später auch schon einen Parkplatz, da wir gleich die erste und eigentlich einzige Pflichtübung hinter uns bringen wollten: Bargeldbeschaffung. Nun auch finanziell liquide, programmierten wir die Navi, folgten deren Anweisungen und begaben uns auf die Straßen durch die noch graue Suppe Norwegens.

Zwar hatten wir heute noch kein konkretes Ziel, aber ein bisschen ins Fjell, also in die höhergelegenen Gegenden durfte es schon gehen. Da für den nächsten Tag eine konkrete Wanderung in Erwägung gezogen wurde, steuerten wir auf recht direktem Weg in Richtung östlichem Ende des Lysefjords.
Etwa 12km vor dem Start der Wandung fanden wir auf etwa 900m Höhe unseren ersten Schlafplatz in Norwegen.

Trockener Abend

Inzwischen hatte der Regen nachgelassen, was schon ein großer Lichtblick am heutigen Tag war. Das allerdings konnte sich natürlich auch ganz schnell wieder ändern, was es dann auch tat. Allerdings begann es nicht etwa wieder mit Schütten, sondern die Wolken rissen völlig überraschend auf und keine halbe Stunde nach dem Abstellen des Autos war deutlich Himmel zu sehen, dessen strahlendes Blau mehr und mehr die Wolken verdrängte. Nach einer Weile war dann aber eben nicht nur Himmel, sondern vor allem unsere Umgebung zu sehen und uns gefiel es auf Anhieb.

Nach dem grauen Tag war der Wetterwechsel nicht nur einer Überraschung, sondern in dem Moment eine echte Erleichterung. Und mit diesem Gefühl gingen wir dann auch zufrieden zum Abendessen über. Wer uns kennt, weiß ganz genau, was auf den Tisch kommt. Bei Nudeln und einem Schlückchen zum Anstoßen genossen wir die Aussicht und die Ruhe, die auch durch die drei gaffenden Schäfchen keinen Abbruch fand. Alles in allem ein wirklich toller Abschluss des Tages und letztendlich ein noch gelungenerer Start unseres Roadtrips.

Fels zwischen Fels
21. August 2016 von TiDo
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Weit mussten wir heute morgen nicht fahren, der Wecker blieb heute also stumm und wir schliefen aus. Nach dem Frühstück folgten wir der sich um Seen und Felsen windenden Straße bis zum Kjerag Cafe, Ausgangspunkt der Wanderung zum Kjerag und dem Kjeragbolten.
Unterwegs traf man jede Menge kleine Steintürmchen, die im Prinzip überall auf der Welt ein Indiz dafür sind, dass man am jeweiligen Ort nicht der erste Tourist ist. Solange aber in dem Moment am jeweiligen Ort nur wenige oder am besten gar keinen Menschen sind, ist alles gut.

Zwar war es gerade nicht ganz so sonnig, wie der Tag gestern zu Ende ging, aber soweit war es trocken und an einigen Stellen blitzte immer noch etwas Himmel durch. Wir waren also guter Dinge, dass das so bleibt und bereiteten uns auf die knappen 5 Stunden Hiking (Neudeutsch für „Wandern“) vor.

Zum Kjerag

Mit Proviant und guten Schuhen gingen wir los und es begann recht anspruchsvoll. Über große, vom Eis großflächig glattgeschliffene Felsen halfen Ketten und schnell waren die ersten Höhenmeter bis auf die erste Anhöhe geschafft. Schon von hier hatte man einen guten Ausblick. Anschließend gestaltete sich der Weg zunächst etwas einfacher. Es ging erst einmal ein Stück hinab in ein weiteres Tal, dann auf eine zweite Anhöhe, danach wieder ein paar Meter hinunter. Der letzte Anstieg hielt wieder Ketten bereit, die teilweise aber eher behinderten. Nach einer Weile flachte es dann endlich etwas ab und wir fanden uns auf einer recht weiten felsigen Ebene wieder und konnten nun, gekennzeichnet durch die vielen bunt gekleideten Wanderer, auch etwas mehr des weiteren Weges sehen. Nach nun etwa zweieinhalb Stunden erreichten wir einen Wegweiser der in Richtung unseres Ziels und nur noch 300m zeigte. So gut wie da also. Als wir um die letzte Ecke bogen, war der Kjeragbolten auch schon zu erkennen. So, wie man ihn von Bildern kennt, aber in Summe doch irgendwie anders, als erwartet.
Beim Kjeragbolton handelt es sich um einen Fels, der zwischen zwei Felswänden klemmt und mit dem Blick auf den Lysefjord ein beliebtes Fotomotiv ist. Man kann ihn recht problemlos begehen, wenn man sich hinten anstellt und etwas Zeit mitnimmt. Wir hatten natürlich genügend Zeit mitgebracht und so reihte ich mich zuerst am Ende der Schlange ein, während Doreen am ebenfalls stark frequentierten Standpunkt für die beste Perspektive wartete. Später tauschten wir die Rollen.
Anschließend war Zeit für eine ausführliche Verpflegungspause und das Panorama, für das man nicht schlangestehen musste. Es war schon sehr beeindruckend, wie an solchen Stellen die Dimensionen verzerrt werden und man gar nicht wirklich erfassen kann, dass man gerade von einem Berg knapp 1000m fast senkrecht auf das Meer bzw. den Fjord hinabschaut. Irgendwie unwirklich …

Auf dem Rückweg vom Kjeragbolten folgten wir wieder den roten „T“s, die hier alle Wanderwege kennzeichnen und liefen gemütlich in Richtung Auto. Etwa 16:00 Uhr waren wir auf dem letzen Abstieg zum Parkplatz, als wir einen Asiaten, Reiseführer einer kleineren Gruppe im Aufstieg, einen anderen Touristen fragen hörten, wie weit es noch sei und ob es ein schwerer Weg sei. Etwas verstört schauten wir uns an und konnten eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Der recht fit wirkende Gefragte, ein Osteuropäer glauben wir, meinte zum Asiaten, man käme gut voran und würde von hier noch etwa eine Stunde brauchen. Generell seeeeehr optimistisch, aber er hat sich wahrscheinlich auch die Leute hinter dem Reiseführer nicht angesehen, die mit normalen Straßenschuhen und Regenschirm bewaffnet, eher für die Shoppingstraße als für eine alpine Wanderung vorbereitet waren. Wir hätten wirklich gern gewusst, wann sie umgekehrt sind ..!
Wie auch immer, es war ein wirklich schöner Ausflug zum Auftakt und auch das Wetter hat ganz gut mitgespielt.

Da mit dem sogenannten Preikestolen noch eine weitere norwegische Haupttouristenattraktion am Lysefjord liegt, fuhren wir am späteren Nachmittag noch ein paar Kilometer in dessen Richtung und fanden dank eines vieler vieler nützlichen Tipps eines guten Freundes schnell eine recht gemütliche Stelle zum Übernachten. Der kleine Parkplatz lag direkt am Fluss und ein Plumpsklo in Form einer kleinen Hütte stand ebenfalls zur Verfügung. Die leeren Mägen füllten wir wieder mit leckeren Nudeln aus dem Topf und die Köpfe mit einer wohlverdienten Rum-Cola. Prost!

Am Predigtstuhl
22. August 2016 von TiDo
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Morgenspaziergang und Flussdusche

Nach einer entspannten Nacht am rauschenden Fluss waren wir recht früh wach. Wir aßen unser tägliches Müsli und schauten dann kurz auf die Infotafel am Parkplatz. Die besagte, dass nur einen kurzen Aufstieg entfernt ein Wasserfall zu sehen sein soll. Wie waren uns einig, den nicht links liegen zu lassen und stiefelten los.
Es war tatsächlich nicht weit, wenn auch steil. Ein kleiner Ausguck gab den Blick auf den sogenannten Månafossen frei und es war wirklich ganz ansehnlich …

… bergab ging es natürlich deutlich zügiger, dennoch war uns ordentlich warm, als wir zurück am Camper waren. Nach wie vor alleine hier wollten wir die Gelegenheit nutzen und uns im Fluss kurz abzuspülen. Das Wasser war schon recht kalt, aber im Anschluss waren wir sauber(er) und absolut erfrischt.

Gehen, oder nicht gehen …

Auch heute wollten wir wieder wandern und auf den paar Kilometern zum Startpunkt wartete auch unsere erste Fjordfährquerung auf uns. Diese verlief, wie erwartet, reibungslos und so trafen wir gegen 10:30 Uhr am fast schon überlaufenen Parkplatz nahe des Preikestolen ein.

Neben uns und vielen weiteren Touristen hatte aber auch der Regen hierher gefunden. Lange waren wir uns unschlüssig und schwankten zwischen loslaufen und wieder wegfahren hin und her. Nach einem kurzen Gespräch mit vorbeilaufenden Freitalern, die meinten, dass Wetter ändere sich am Ziel alle 5 Minuten, entschieden wir uns dann doch für den Aufstieg. Gegen Mittag wanderten wir los, im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung!

Norwegens meistbesuchte Attraktion

Auch heute hielt der Weg wieder einige interessante Dinge bereit. Damit meine ich jetzt in erster Linie nicht die von tibetanischen Sherpas gebauten Steintreppen, sondern erneut eher die Mitwanderer. Neben den wie Jogger gekleideten Stoffturnschuhträgern fielen vor allem wieder die asiatischen Besucher auf, die am Ende des etwa zweistündigen Hinwegs scheinbar ein mittelgediegenes Restaurant erwarteten. Dank der Sherpas war der Pfad nicht allzu anspruchsvoll und so erreichten alle früher oder später den Preikestolen, den Predigtstuhl oder auch die Kanzel.
Zunächst haben wir nicht viel sehen können. Der Wind wehte recht stark und wir befanden uns mitten in der Wolke. Wind bedeutet aber auch, dass sich in kurzer Zeit viel ändert und siehe da, wie von den Freitalern prognostiziert, war 10 Minuten später brauchbare Sicht. Nun sah man endlich auch, was der Preikestolen wirklich ist. Der rechteckig wirkende Felsvorsprung soll durch eine Frostsprengung enstanden sein und ragt nun wie ein Balkon etwa 600m über den Fjord und ermöglicht so den Blick bis zu dessen östlichen Ende. (Eltern hier weggucken!)

Aber auch die etwas größere Lücke in den Regenwolken zog irgendwann vorüber und pünktlich zum Aufbruch begann es zu nieseln. Wir ordneten uns also wieder in die Reihe der Jogger sowie Regenschirme ein und begaben uns auf den Rückweg. Kurz vor dem Parkplatz war nun auch der Blick auf die nicht allzuweit entfernte Küste rund um Stavanger frei. Ein guter Abschluss der gelungenen Wanderung.

Diesmal etwas ungewollt fuhren wir heute noch ein wenig weiter als eigentlich beabsichtigt, aber irgendwie hatte wir zunächst kein so gutes Händchen bei der Schlafplatzsuche. Letztendlich fanden wir aber doch einen ganz schicken Rastplatz und konnten den Tag, natürlich mit einem kleinen Getränk, revue passieren lassen.

Cruisen und Ausruhen
23. August 2016 von TiDo
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Rundum Fjorde

Grobes Ziel heute war Tyssedal, welches aber nicht so ganz um die Ecke lag. Nicht zu spät, aber ohne Hektik begannen wir den Tag und genauso nahmen wir auch die Strecke in Angriff. Wir folgtem dem Wasser auf der linken Seite, setzten mit einer Fähre über, folgtem weiter dem Wasser, nun auf der rechten Seite. Immerwieder Tunnel an deren Ende weitere Seen oder Fjorde warteten. Ab und zu überfuhren wir auch einen Pass und immer da, wo viele Autos parkten, war höchstwahrscheinlich ein Wassefall zu sehen.
Die Straßen waren teilweise einspurig, was die Begegnungen mit 40-Tonnern immer irgendwie, sagen wir mal interessant gestaltete. Dennoch machte das Fahren viel Spaß und wir waren froh, in eher kompaktem Blech unterwegs zu sein, anstatt mit einem der wirklich vielen Kunststoffwohnkästen.

Zwangsentspannung

Wir kamen gut voran und erreichten Tyssedal kurz vor dem Mittag. Schon unterwegs diskutierten wir darüber, dass aktuell wirklich gute Wetter gleich zu nutzen und schon heute eine weitere steinige Sehenswürdigkeit zu bewandern. Ab morgen sollte wieder starke Bewölkung aufziehen, also warum warten!? Wir steuerten also direkt den Ringedalsdammen an, wo der Weg beginnt. Allerdings wurden wir schon vorher von einer netten Parkplatzwärterin abgefangen, die zusammengefasst meinte, dass wir heute nicht mehr loslaufen sollten, da die Strecke hin und zurück etwa 10 Stunden benötige und es darum auf dem Rückweg schon dunkel werden würde. Nun, dass der Trip soo lange dauern würde, war in dem Moment irgendwie an uns vorbeigegangen, aber da gab es nun mal nix zu widersprechen. Wir hofften also auf halbwegs brauchbares Wetter für morgen, beschlossen, das gute Wetter für einen entspannenden Nachmittag zu nutzen und machten uns auf die Suche nach einem ruhigen und gemütlichen Plätzchen.
Bei einem kleinen Abstecher in ein Seitental, auf dem Parkplatz am Ende der Straße, fiel mir im Augenwinkel dann kurz ein Fahrzeug auf, das gleiche Modell, wie wir gerade fahren. Damit aber nicht genug, denn es hatte, bis auf die allerletzte Ziffer, das identische Nummernschild. Kurz etwas verdutzt war schnell klar, dass dies ein weiteres Fahrzeug von CampVenture war. Zufälle gibts, wahnsinn!
Letztendlich fanden wir direkt am Sørfjord einen kleinen Rastplatz ohne die übliche Straße im Rücken und da dessen Zufahrt etwas kompliziert zu finden war, waren und blieben wir dort auch völlig für uns.

Auf der Zungenspitze
24. August 2016 von TiDo
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Anfahrt und Hinweg

Nachdem wir gestern bereits am Parkplatzwärter umkehren mussten, stand also heute ein erneuter Versuch auf dem Plan, die angestrebte Wanderung angehen zu können. Entsprechend früh stellten wir den Wecker und nach einem zügigen Frühstück waren wir auch schon auf dem Weg zum Startpunkt, den wir nun problemlos anfahren konnten. Routiniert bereiteten wir alles vor, so dass wir genau um 7:30 Uhr fertig in den Startlöchern standen. Auf gehts!

Der Himmel war bedeckt und die Stimmung generell grau, aber die Wolken waren hoch, die Sicht ziemlich klar und vom Regen schienen wir auch erst mal verschont zu werden. Doreen und ich starteten nun also zur Trolltunga . Vor uns lag eine mit angegebenen 9 – 10 Gehstunden und insgesamt 24km Strecke recht lange Wanderung, welche schon auf den ersten 2km ein Viertel der zu absolvierenden Aufwärts-Höhenmeter bereithielt. Einmal auf Höhe gingen die verbleibenden knapp 10km bis zum Ziel recht gut vom Fuß. Vorbei an kleinen Seen und über den ein oder anderen steinigen Abschnitt verlief der ganz ordentlich begangene Pfad auch hier und da in der Nähe der Klippe, wo immermal wieder ein schöner Blick auf das Tal mit dem Stausee frei wurde.

Die Zunge des Trolls

Gegen 11:00 Uhr, also nach etwa dreieinhalb Stunden, erreichten wir das Ziel, die Trolltunga. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um einen recht dünn wirkenden Fels, der, ähnlich einer herausgestreckten Zunge, in bzw. über das Tal ragt.
Zum Glück waren wir recht früh da und mussten uns die Zunge zunächst nur mit ein paar Leuten teilen, die unweit von hier übernachtet hatten. Während Doreen wieder am Fotografenpunkt wartete, reihte ich mich wiedermal in die Schlange ein, die in dem Moment allerdings nur aus 5 weiteren Bestand. Kurz unterhielt ich mich mit einem netten Holländer, der auch gleich um die Ecke gezeltet hatte. Er meinte, dass es dank des guten Wetters gestern am Nachmittag fast eineinhalb Stunden gedauert hätte, bis man an der Reihe war. Schockiert dachte ich mir nur, wie gut, dass wir heute hier sind. Da mit der Zeit immer mehr Wanderer eintrudelten, tauschten Doreen und ich nach dem Durchgang auch hier die Rollen, ich wartete und Doreen stellte sich an. Zwar wollte sie ursprünglich nicht, beim zusehen aber kam auch bei Ihr der Gedanke auf, dass man das machen müsse, wenn man schon einmal hier ist.
Anschließend machten wir Mittag und beobachteten die stetig wachsende Masse an Menschen. Später spazierten wir auch noch ein bisschen umher, um das Ganze auch aus anderen Blickwinkeln zu sehen. Die Perspektive aus Reiseführern oder dem Internet, eben die vom Fotografenpunkt, war schon ganz schön spektakulär. Von der Gegenüberliegenden Seite allerdings war davon nicht mehr so viel übrig. Man erkannte die Menschenschlange und jeweils vereinzelte Leute, die auf einem großen flachen Felsen angestrengt posierten. Ein lustiges Schauspiel!

Fast schon Rafting

Etwa eine Stunde nach Ankunft machten wir uns auf den Rückweg. Da im Moment sogar ab und zu die Sonne durch die Wolken blickte, ging vor allem der Hobbyfotograf etwas schweren Herzens.
Auch rückzu kamen wir gut voran. Der Gegenverkehr war erstaunlich und wir waren heute ein weiteres Mal froh, so zeitig in die Spur gegangen zu sein. Das Wetter spielt soweit gut mit, was sich aber etwa 3km vor Schluss recht schnell änderte. Gerade noch gemütlich bei einer kleinen Verpflegungspause die Aussicht genossen, kamen die Wolke immer tiefer und tiefer, die ersten Tropfen waren zu spüren. Es dauerte nicht Lange und der Niesel ging in leichten Regen über, nun also genug, damit wir die echte Funtionskleidung überwarfen. Bei etwa 2km vor Ankunft auf einer Hochebene kurz vor dem letzten Abstieg sorgten dann Blitz und Donner für echtes Unbehagen. Der Niederschlag wurde immer stärker und schon zu Beginn des steilsten Stücks des Weges wussten wir, das wird kein Spaß. Wo heute morgen noch ein erdiger Pfad durch den Wald führte, lief nun ein schlammiger Bach entlang der Wegmarkierungen. Was solls, warten brächte nix, weiter ging es also. Die letzten 700m führten über eine Art Natursteintreppe, die in Kombination mit viel Wasser ebenfalls sehr unangenehm zu gehen war. Den Widrigkeiten zum Trotz erreichten wir nach kaum mehr als 7 Stunden (inkl. einer Stunde Pause) gesund aber durch und durch und durch und durch nass unser fahrendes Heim.
Da wir nasser nicht werden konnten, zogen wir uns hinter dem Auto in Ruhe um, die durchgeweichten Klamotten wanderten erst mal in eine freigeräumte Plastikkiste. Als die Scheiben endlich freigeblasen waren, steuerten Doreen und ich den nächsten halbwegs annehmbaren Rastplatz am Fjord. Mit im Auto gespannten Wäscheleinen und eingeschalteter Standheizung lehnten wir uns zurück und versuchten mit Nudeln und einem wärmenden Kaltgetränk zu entspannen. Dies gelang auch ziemlich gut, während wir einer Gruppe von 6 Belgiern aus zwei bis unters Dach bepackten PKWs dabei zusahen, wie sie bei nach wie vor strömendem Regen ihre Zelte aufbauten und danach Essen kochten. Echtes Zelten ist nix für uns und darum sitzen wir auch warm und trocken im Camper … Prost!